SG Sollingtor stellt Weichen für die Zukunft – und fordert klare Antworten

Die 1. Vorsitzenden: H. Klages (MTV Derental), Achim Helm (MTV Fürstenberg), Frederic Meyer (FC 08 Boffzen)

Die SG Sollingtor hat eine richtungsweisende Entscheidung für die Zukunft des Fußballs in der Samtgemeinde Boffzen getroffen. Nach intensiven und sorgfältigen Beratungen haben die beteiligten Vereine FC 08 Boffzen, MTV Derental und MTV Fürstenberg im Januar dieses Jahres einen Antrag auf dauerhafte Freigabe für den Spielbetrieb im westfälischen Fußballkreis Höxter ab der Saison 2026/27 gestellt. Aktuell wurde – nach Ablehnung dieses Antrags – der Austritt aus dem Niedersächsischer Fußballverband fristgerecht erklärt.

Diese Schritte sind kein Selbstzweck. Sie sind das Ergebnis einer Entwicklung, die sich über Jahre abgezeichnet hat und die inzwischen eine klare und zukunftsorientierte Entscheidung erforderlich macht.

Strukturelle Realität statt formaler Grenzen

Die Samtgemeinde Boffzen ist in vielen Lebensbereichen eng mit Nordrhein-Westfalen verbunden. Arbeitsplätze, Schulstandorte und soziale Netzwerke orientieren sich seit Jahren zunehmend in Richtung Höxter und Umgebung. Ein Großteil unserer Mitglieder pendelt täglich dorthin, Kinder und Jugendliche besuchen Schulen in Beverungen oder Höxter.

Diese gewachsene Realität findet im aktuellen Spielbetrieb jedoch kaum Berücksichtigung. Unterschiedliche Ferienzeiten zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen führen regelmäßig zu organisatorischen Herausforderungen: Spiele müssen verlegt werden, Kader sind unvollständig, im schlimmsten Fall kommt es zu Spielausfällen.

Was im früheren, kleineren Kreis Holzminden noch mit großem Engagement kompensiert werden konnte, stellt im deutlich größeren NFV-Kreis Hildesheim-Holzminden inzwischen ein strukturelles Problem dar.

Belastungsgrenze für Vereine und Ehrenamt erreicht

Ein weiterer zentraler Punkt sind die erheblichen Entfernungen im aktuellen Spielbetrieb. Während ein Großteil der Spiele im Kreis Höxter in einem Radius von etwa 25 Kilometern stattfinden würde, sind im derzeitigen Spielbetrieb häufig Fahrten von über 60 Kilometern notwendig. 

Diese Entwicklung hat spürbare Konsequenzen:

  • steigender Zeitaufwand für Spieler, Trainer und Betreuer
  • zunehmende Belastung für ehrenamtlich Engagierte
  • höhere Fahrtkosten für die Vereine
  • sinkende Zuschauerzahlen durch unattraktive Entfernungen

Gerade im Amateurfußball, der vom Engagement vor Ort lebt, sind dies Faktoren, die langfristig nicht ignoriert werden können und dürfen.

Konkrete Auswirkungen auf den Spielbetrieb

Die aktuellen Rahmenbedingungen bleiben nicht ohne Folgen. Bereits jetzt gibt es konkrete Überlegungen einzelner Spieler, sich Vereinen in Nordrhein-Westfalen anzuschließen, um unter praktikableren Bedingungen Fußball spielen zu können.

Für die SG Sollingtor ist dies ein deutliches Warnsignal. Es geht nicht nur um organisatorische Fragen, sondern um die nachhaltige Sicherung des Spielbetriebs und die Zukunft des Fußballs in unserer Region insgesamt.

Ablehnung des Antrags – offene Fragen bleiben

Der Antrag auf Freigabe für den Spielbetrieb im Kreis Höxter wurde vom zuständigen Kreisvorstand des Niedersächsischer Fußballverbandes abgelehnt.

Aus Sicht der beteiligten Vereine wirft diese Entscheidung Fragen auf. Eine umfassende und nachvollziehbare inhaltliche Begründung blieb aus, wesentliche strukturelle Argumente fanden keine erkennbare Berücksichtigung. Auch von der SG vorgeschlagene mögliche alternative Lösungsansätze – etwa in Form einer Übergangsregelung – wurden nicht weiterverfolgt.

Ein besonders deutliches Bild ergab sich zudem bei einem gemeinsamen Erörterungsgespräch in Fürstenberg: Mit Ausnahme des Vorsitzenden nahm kein weiteres Mitglied des Kreisvorstands aus Hildesheim den Weg auf sich – stattdessen erfolgte die Teilnahme digital. Eine praktikable Lösung für Sitzungen, ohne Frage. Für die Herausforderungen des Spielbetriebs jedoch, bei dem Woche für Woche lange Strecken zurückgelegt werden müssen, ist dies kaum ein überzeugendes Signal. Oder anders gesagt: Was für Videokonferenzen funktioniert, lässt sich auf Fußballspiele nicht übertragen.

Konsequente Schritte – bei weiterhin offener Gesprächsbasis

In der Folge haben die Mitgliederversammlungen des MTV Fürstenberg und des FC 08 Boffzen den Austritt aus dem Verband beschlossen, um sich alle Optionen für eine sportlich sinnvolle Zukunft offen zu halten.

Da die Mitgliederversammlung des MTV Derental bereits zuvor stattgefunden hat, kann ein entsprechender Schritt dort frühestens zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Trotz dieser konsequenten Entscheidungen bleibt eines ausdrücklich bestehen: die Bereitschaft zum Dialog. Die SG Sollingtor ist weiterhin offen für Gespräche und begrüßt jede Form einer neutralen Vermittlung, die zu einer tragfähigen und sachgerechten Lösung führen kann.

Unser Ziel: Nachhaltige Perspektiven schaffen

Mit dem eingeschlagenen Weg verfolgt die SG Sollingtor klare Ziele:

  • die langfristige Sicherung des Spielbetriebs
  • die Entlastung von Ehrenamt und Vereinsstrukturen
  • die Schaffung attraktiver und realistischer Rahmenbedingungen
  • der Erhalt des Fußballs in unserer Region

Wir sind überzeugt, dass Veränderungen notwendig sind, wenn bestehende Strukturen den Anforderungen der Praxis nicht mehr gerecht werden.

Ein Appell an die Verantwortlichen

Die aktuelle Situation bietet die Chance, bestehende Strukturen zu hinterfragen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die den realen Lebens- und Rahmenbedingungen der Vereine entsprechen.

Wir hoffen, dass diese Chance genutzt wird.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob ein gemeinsamer Weg noch möglich ist. Klar ist jedoch: Die Herausforderungen sind benannt – und der Handlungsbedarf ist da.

 

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